05. April 2018  Allgemein

Abschaffung des Acht-Stunden-Tags weder notwendig noch im Interesse der Beschäftigten

„Die Forderungen der Arbeitgeberverbände, den Acht-Stunden-Tag und die gesetzlichen Ruhezeiten aufzuweichen, stellen massive Angriffe auf die Rechte der Beschäftigten dar. Hierbei wird die Digitalisierung als Drohkulisse missbraucht, um auf die Politik Druck auszuüben“, erklärt Jessica Tatti, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für Arbeit 4.0, zur Forderung der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände nach mehr Flexibilisierung der Arbeitszeitregeln.

Nicht jeder arbeitet am Bildschirm. Eine Aufweichung bedeutet für viele Branchen das die Beschäftigten zu Verfügungsmasse für die Bosse werden.
Gerade zur Zeit kämpft das Handwerk mit Fachkräftemangel und dem Abbruch von Lehren. Herr Wollseifer, oberster Handwerker, jammert über „Ein zu enges Arbeitszeit-Korsett und zu starre und unflexible arbeitsrechtliche Vorschriften“. Er will durch eine Lockerung dieses „Korsetts“, also mit 10 Stundentagen die Attraktivität des Handwerks steigern.
Dabei vergisst er das mit einer Aufweichung der Arbeitszeitgesetzgebung die Gesundheit aller Beschäftigten gefährdet wird. Vielleicht beklagt er sich ja dann über die Möglichkeit der Ärzte Kranke auch Krankschreiben zu können?

Angesichts der Tarifflucht vieler Arbeitgeber, macht ihre Forderung ja sogar Sinn – aus ihrer Sicht. Denn wo kein Tarifvertrag für die Beschäftigten gilt, sind diese nur noch durch das Gesetzt geschützt.
Wir wollen jedenfalls, anders als die Arbeitgeber, keine Arbeitsverhältnisse wie im Vorletzten Jahrhundert, als der 12 Stundentag noch die Untergrenze war.
Deshalb brauchen wir, zum Schutz aller Beschäftigten, das Arbeitszeitgesetzt. Das einzige was daran zu Reformieren ist: die gesetzlich mögliche Wochenarbeitszeit sollte auf höchstens 48 Stunden von heute 70, reduziert werden!

Tatti weiter: „Die Behauptung, das heutige Arbeitszeitgesetz sei starr, ist schlicht unwahr und geht an der betrieblichen Praxis komplett vorbei: Zig Betriebsvereinbarungen zu Langzeitkonten, Vertrauensarbeitszeit, flexiblen Arbeitszeiten oder Schichtsystemen belegen, dass Flexibilität in den Betrieben bereits gelebt wird. Die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags ist weder notwendig noch im Interesse der Beschäftigten. Sie birgt stattdessen das gravierende Risiko, dass Arbeitgeber immer stärker in die Freizeit der Beschäftigten eingreifen. , gerade weil online jederzeit hier und da Arbeit erledigt werden kann, selbst von zu Hause aus. Eine zunehmende Entgrenzung der Arbeitszeit wäre die Folge. Beschäftigte müssen ein Recht auf Feierabend haben, damit ungestörte Zeit für sich, Erholung und die Familie bleibt.“


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